Forschung

In einer Lebenskrise stellte der Psychologe Mitte der 90er Jahre überraschend fest, dass die Wissenschaft auf die Frage "Wer bin ich?" kaum Antworten gefunden hat. Fortan widmete Steven Reiss seine Schaffenskraft diesem Thema.

In einer Reihe von neun grossen Untersuchungen mit insgesamt über 8000 Männern und Frauen erforschte Reiss, welche psychologischen "Endmotive" - die Reiss später Lebensmotive nannte - den Menschen letztlich antreiben.

Lebensmotive definiert Reiss als "Motivdimensionen", die unterschiedliche, aber doch ähnliche Beweggründe zusammenfassen und als intrinsische Motivatoren wirken: Sie sind elementare Letztmotive und Zwecke unseres Handelns. Die Erfüllung der individuellen Bedürfnisse, die den jeweiligen Lebensmotiven entspringen, erleben wir als Selbstzweck: Sie allein machen uns glücklich und zufrieden.

Hintergründe

Welche Motive sind psychologisch so bedeutend, dass man sie als "End-Ziele" oder "Letzt-Motive" bezeichnen kann?

Für Reiss ist die individuelle Bewertung jedes der 16 Lebensmotive der Schlüssel, um menschliches Verhalten nicht nur zu verstehen, sondern auch vorhersagen zu können. Das Reiss-Profil bildet die jeweiligen fundamentalen Ziele und Werte eines Menschen ab und ermöglicht ein umfassenderes (Selbst-)Verständnis.

Wie schon Aristoteles fand, können Motive in Mittel und Zwecke unterschieden werden, wobei Mittel nur als "vermittelnde" Zwischenschritte dienen, um das zu bekommen, was man will. Sie motivieren nur insoweit, als sie etwas anderes schaffen oder ermöglichen. Letztlich geht es um alle grundlegenden Verhaltensweisen und Handlungen, bei denen man - so der Fachausdruck - "intrinsisch" motiviert ist: Man tut etwas um seiner selbst willen - und nichts anderes.

Die Theorie der 16 Lebensmotive ist sehr umfassend formuliert. Das Entscheidende daran könnte man das "Komplexitätspostulat", genauer: das "Komplexitätsreduktionspostulat", nennen: Ähnlich wie Chemiker alle Stoffe auf elementare Bestandteile zurückführen können, bestehen praktisch alle psychologisch bedeutsamen Motive aus einer Kombination der 16 Grund- oder Letztwerte.

Die theoretischen Grundlagen:
1. Die 16 Lebensmotive sind fundamental und übergeordnet gültig: Sie beschreiben alle wichtigen, von Menschen als intrinsisch wert- und sinnvoll erlebten Handlungen als Selbstzweck.
2. Motiviertes menschliches Verhalten lässt sich entweder auf einzelne Lebensmotive zurückführen oder als eine Kombination der 16 Lebensmotive auffassen.

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